Wettlauf Masse gegen Macht

Die Mächtigen, so scheint es, haben das Internet wieder einmal seiner magischen Kräfte beraubt. Es schwärmt sich leicht von der Macht der Masse und man vergisst nur allzu leicht, dass man sich im Netz nicht in einem Medium bewegt, das so frei erhältlich ist wie die Luft, die wir atmen und die unsere Worte zu nahen Menschen trägt.

Gleichheit, Utopie; photo: Thomas Hawk

Ein Rückzug in einen Zustand neo-romantischer Technikvermeidung scheint längst schon nicht mehr möglich, zumindest nicht sinnvoll zu sein, außer dass man sein Heil in mönchischer Weltentsagung sucht, die aber oft einem verantwortungslosen Eskapismus gleich käme. Vielmehr scheint es notwendig zu sein, einserseits mit der Entwicklung Schritt zu halten, andererseits aber eine völlige Abhängigkeit zu vermeiden.

Das Internet war nie egalitär gewesen. Weder in seiner inneren Logik, noch in seinem Dasein in der Welt. Vielleicht war es immer schon mehr eine Idee gewesen als Realität, der sie stets ein gutes Stück voran lief, angetrieben von atemloser technischer Entwicklung. Ältere Vorstellungen von einer Zivilgesellschaft ohne Reibungsverluste und der Selbstregulierung herrschaftsfreier Räume, die von der Dynamik von Interessengemeinschaften oder, nach anderen Vorstellungen, von marktwirtschaftlichen Gesetzen gestaltet werden, haben hier ihr ersehntes Zuhause gefunden. Wo Realität emuliert wird, werden Utopien schnell zum Leitmotiv.

Doch dann und wann wird man aprupt aus seiner Immersion geweckt, zumeist wenn man sich schmerzhaft in der realen Welt stößt. Trotz intensiven social networkings stellt man soziale Defizite fest. Bei dem Umtausch vom Virtuellen ins Reale schrumpfen so manche Reichtümer zu lächerlichen Beträgen, der Wechselkurs von friends zu Freunden ist nicht eben günstig und die virtuellen Muskeln politischer Schlagkraft können auf der Straße durchaus entmutigend ausfallen.

Wieder zeigt es sich, und das Internet bildet keine Ausnahme, dass es nicht irrelevant ist, welches Ende man in der Hand hat. Das galt schon für Waffen, und es gilt für viele Werkzeuge und andere Produkte unserer Zivilisation. Demokratie beginnt schon beim Rahmen.

photo: Thomas Hawk

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